März 12, 2018

Von Greg Chapman

Damit die alpine Bergwelt auch von unerfahrenen Kletterern erforscht werden kann, gibt es Klettersteige. In Italien heißen diese Klettersteige 'Via Ferrata' (Eisenweg). Durch sie können hochgelegene und anspruchsvolle Routen mit wenig Kletterausrüstung oder ausgefeilten Seiltechniken begangen werden. Durch die Klettersteige - die meisten gibt es in den südlichen Alpen - kann auch in recht unzugänglichen Gebieten geklettert werden. So werden schwierige Bergtouren für Nicht-Kletterer zugänglich gemacht. Aber das alpine Klettersteig-System hat auch eine andere Funktion, denn es schützt diese hoch gelegenen Fußwege, die Grate und Felsen. Sie sind mit festen Stahlleitern und Stahlseilen ausgestattet, die nicht nur als Aufstiegshilfen dienen sondern auch zur Sicherung der Bergsportler beitragen.

Die ersten Klettersteige, entstanden während des Ersten Weltkrieges in den Dolomiten und in Tirol, um Truppen durch bisher schwer zugängliche Gebiete bewegen zu können. In späteren, ruhigeren Zeiten wurde das Netz von Bergführern übernommen und genutzt, um unerfahrenen Bergfreunden die Wunder der hochalpinen Landschaft zu präsentieren. Als die Kabel und Leitern für Bergführer und Einzelpersonen immer beliebter wurden, konnten die ursprünglichen Netze ausgebessert und weitere abenteuerliche Systeme auf vorher unberührten Felsen neu geschaffen werden. Heute hat sich das Begehen von Klettersteigen zu einer eigenen Disziplin weiterentwickelt.

DIE KLETTERSTEIG AUSRÜSTUNG

In früheren Zeiten mussten Bergsteiger, die den Klettersteig benutzen, sich ein eigenes Clip-System mit einem dynamischen Seil (9 - 10 mm) und zwei Schraubkarabinern bauen, was hauptsächlich auf das Fehlen spezifischer Produkte der Hersteller zurückzuführen war. Außerdem nahm man damals an, dass die Stabilität der vorherrschenden Stahl-Ausrüstung den Unzulänglichkeiten der Bergsteigerausrüstung entgegenwirken würde. Es hat sich jedoch in Seiltest-Häusern der ganzen Welt gezeigt, dass das Sicherungsystem eine spezielle stoßdämpfende Funktion, oder "Klettersteigbremse" worunter sie auch bekannt ist, haben muß, denn Stürze am Klettersteig zählen von allen Bergsteige-Disziplinen mitunter zu den Schlimmsten. Die meisten modernen Verbindungsmittel haben einen Stoßdämpfer als Standard. Wir können gar nicht oft genug wiederholen, dass man auf Klettersteigen zur Sicherung gegen Absturz, ein aktuelles handelsübliches Klettersteigset nach UIAA-Norm verwenden muß, um sicher zu bleiben!

So wird die Klettersteigausrüstung benutzt.



Abbildung 1. Bei zwei Verbindungsseilen (ein Set in Y-Form) müssen die beiden Karabiner immer mit den gegenüberliegenden Öffnungen am Stahlseil befestigt bleiben.

Abbildung 2. Das Passieren von Zwischenverankerungspunkten am Stahlseil, wo einer der beiden Karabiner mit Vorsicht entriegelt werden muss.

Abbildung 3. In schwierigen Abschnitten sollte man nicht zögern, sich auf dem kurzen Seil (Rastschlaufe) auszuruhen, um zu vermeiden, dass man den Punkt erreicht, an dem sich die Finger von alleine öffnen (ein häufig beobachtetes Phänomen auf den Klettersteigen).

Bei schwierigen oder steilen Abschnitten sollte man nicht zögern, und sich mit einem weiteren dynamischen Seil zu sichern, denn ein Sturz auf einem Klettersteig ist immer eine ernste Sache, selbst mit den besten Energieabsorbern / Fangstoßdämpfern. Denn trotz allem, was über Klettersteige gesagt wird, (es ist einfach, leicht zugänglich, macht Spaß usw.) bleibt es eine Aktivität am Berg und findet in einer steilen bis vertikalen Umgebung statt. Ein dynamisches Seil sollte immer Teil der Ausstattung sein, um das Fallenergie-absorbierende Verbindungsmittel in schwierigen Abschnitten zu ergänzen.

SEILTECHNIKEN AUF DER VIA FERRATA

Das Prinzip ist das gleiche wie beim Klettern: Der Vorsteiger durchquert den schwierigen Abschnitt an der Spitze des Seils und setzt eine Sicherung ein, um seine Mitkletterer zu schützen. Informationen zu Klettersicherungen finden Sie im Abschnitt Klettertechniken. Sollte kein Mitglied der Klettergruppe im Nutzen des Seils kompetent sein, kann ein professioneller Bergführer engagiert werden, der sich um die Sicherheit der Truppe kümmert.



Klettersteigausrüstung

  • Klettersteigsets: Ein Klettersteigset ist ein absolutes Muss, denn das Leben hängt davon ab.
  • Harness: Auch ein ganz wichtiges Teil der Ausrüstung. Ein qualitativ hochwertiger und leichter Alpin- bzw. Sportklettergurt reicht aus, aber für den zusätzlichen Komfort sollte man auf ein voll verstellbares und gepolstertes Gurtzeug aufrüsten.
  • Klettersteighandschuhe: Denn sie schützen die Handflächen vor Verletzungen durch das Stahlseil oder den harten Fels.
  • Kletterhelm: Nicht unbedingt notwendig aber äußerst empfohlen.
  • Seil: Obwohl nicht zu 100% notwendig, erhöht die Mitnahme eines Seils Ihre Kletter-Möglichkeiten erheblich, besonders wenn man sich mit weniger erfahrenen Personen am Klettersteig befindet. Für Kinder sehr empfehlenswert. Ein 30 bis 50 Meter langes dynamisches Einfachseil (8,5 mm - 9 mm) ist die bessere Alternative für Kinder zwischen Sicherheit und Gewicht.
  • Sicherungsgeräte: Wenn ein Seil mitgenommen wird, sollte man das geeignete Sicherungsgerät nicht vergessen.
  • Reiseführer: Es lohnt sich immer, einen guten Reiseführer zu haben, egal was man in den Bergen macht. Wir werden eine gute Auswahl an 'Via Ferrata Guides' auf unserer Website anbieten, sobald diese in deutscher Sprache verfügbar sind.
  • Versicherung: Wie bei jedem abenteuerlichen Urlaub muss immer der entsprechende Versicherungsschutz gewählt werden. Achten Sie auch auf das Kleingedruckte. Eine Mitgliedschaft in einem Alpinen Verein zahlt sich sicherlich auch aus.

NEUE SICHERHEITSBESTIMMUNGEN

Die internationale Vereinigung verschiedener nationaler Alpinistenverbände, die UIAA (International Climbing and Mountaineering Federation) hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, strenge Sicherheitsnormen für Bergsportausrüstung wie Seile, Klettergurte, Karabinerhaken etc. zu definieren.

Seit 2017 werden die meisten neu auf den Markt gebrachten Klettersteigsets nach der neuen, überarbeiteten Norm EN 958: 2017 getestet. Es wird erwartet, dass dies ab 2018 rechtlich wirksam und erforderlich wird.

Die meisten Geräte, die vor dem Frühjahr 2017 produziert wurden, entsprechen der Norm EN 958: 2011. Diese ist weiterhin gültig und sicher, und alles, was als solches bewertet wurde, darf für einen noch zu bestätigenden Zeitraum (voraussichtlich 2 Jahre) verkauft werden.

Die überarbeitete Norm EN 958: 2017 bietet natürlich ein höheres Sicherheitsniveau für alle Teilnehmer. Hier sind die Unterschiede:

  • Die Sturzprüfung wird nun mit zwei unterschiedlichen Gewichten durchgeführt (40 kg und 120 kg).
  • Der neue Standard testet die Dynamische Belastbarkeit von 120 kg auch unter nassen Bedingungen.
  • Zusätzlich wird eine statischen Festigkeit von 12 kN für das Gesamtsystem benötigt (EN 958: 2011 benötigt derzeit nur 9 kN).
  • Eine statische Festigkeit von 15 kN für nicht-elastische Arme ist jetzt erforderlich.
  • Der neue Standard verlangt erstmals, dass auch ein Ermüdungstest des für elastische Arme verwendeten Materials, gemacht wird.

Die neueste Norm EN 958: 2016 wird vor allem für den Verbraucher eine Reihe von klaren Vorteilen bringen. Für leichtere sowie schwerere Menschen, wenn sie am Klettersteig-Klettern teilnehmen, wurde der Sicherungsschutz verbessert:

- Die Aufprallkraft darf für 40 kg nicht höher als 3,5 kN und für 120 kg nicht größer als 6 kN sein.
- Die maximale Sturzhöhe beträgt 5 m und die Aufreißlänge des Bandfalldämpfers darf 2,2 m nicht überschreiten (vorher waren es 1,2 m)

Diese aktualisierten Tests und Bewertungen der Klettersteigausrüstung führen dazu, dass der Klettersteig immer sicherer wird.

VIA FERRATA MIT KINDERN

Egal wie alt man ist, durch die Höhe des Klettersteigs muss man eine gute Schwindelfreiheit besitzen. Das Klettern ist ein verbindliches Unterfangen, durch seine festgesetzte Strecke, muss - wenn man erst einmal angefangen hat - man auch in der Lage sein, die Route zu beenden. Es gibt es in der Regel keine Flucht auf halbem Wege. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie Sie oder Ihre Kinder auf die Höhe reagieren, lohnt es sich, zu einem Klettergarten oder Abenteuerparcours mit Hoch- oder Kletterseil Angebot zu gehen, bevor Sie sich auf einen Klettersteig-Trip stürzen. Dort kann man schon die ersten Erfahrungen mit Klettersteiggeräten, Karabinern, Klettergurten etc. machen und natürlich die Höhe austesten.

Im Allgemeinen ist es ratsam, dass Kinder mindestens 7 Jahre alt sind, bevor sie den Klettersteig ausprobieren, aber das hängt natürlich sehr vom Kind selbst ab. Wenn es bereits an Sportarten wie Klettern teilnimmt, kann man diese Sportart auch für jüngere Kinder in Betracht ziehen. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass das Gewicht des Kindes für das verwendete Klettersteig-System angemessen ist. Ein System nach der überarbeiteten Norm EN 958: 2017 getestet, ist für Kinder über 40 kg besser geeignet. Es ist auch ratsam, jüngere Kinder zusätzlich durch eine Seilsicherung zu sichern.

ES GIBT EINEN KLETTERSTEIG IN GROßBRITANNIEN!

Im englischen Lake District (im nordwesten Englands zu finden) gibt es einen gut ausgestatteten Klettersteig. Dieser erleichtert die steile Steigung von Fleetwith Pike oberhalb des Honister Passes. Von einem privaten Unternehmen betrieben, ist die 'Honister Slate Mine -Via Ferrata' das ganze Jahr über für die Öffentlichkeit zugänglich. Ein 2-3 stündiger Ausflug kostet ungefähr £40 (siehe Video unten). Weitere Informationen und Buchungsoptionen finden Sie auf deren Website: Honister.com honister.com


 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Petzl Sport.


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