Februar 13, 2019

Von Dave Westlake

Wie viele ambitionierte Kletterer, habe auch ich mir ein paar Obsessionen angewohnt - kleine Dinge, die wahrscheinlich den Unterschied zwischen Erfolg und Niederlage machen. Eine Sache sind die Kletterschuhe, oft gibt dir der richtige Schuh den letzten nötigen Schub, wenn du am Limit kletterst. Die andere Sache, welche mir weit aus mehr Sorgen bereitet, sind die anderen Kontaktpunkte mit dem Fels - die Haut an den Fingern. Für diejenigen unter uns, die nicht gerade als Bauarbeiter arbeiten und jeden Tag Steine transportieren, ist es eine Herausforderung die Haut in guter Form zu halten. Nun, ich habe mich etwas in die Thematik eingelesen und habe viele Artikel über dieses Thema gelesen, die Verschwörungen nehmen kein Ende, strapazierfähige Haut wie noch nie zuvor.. und Rhino verheimlicht angeblich, das wahre Potential seiner Produkte. Es scheint mir aber eher so, dass die meisten Berichte das ganze von der falschen Seite angehen. Und zwar mit vielen hilfreichen Empfehlungen, wie man seine massakrierten Finger am besten verarztet. Ich bin überzeugt davon, dass Vorsorge besser ist als Nachsorge. Ganz einfach um lange Heilungsprozesse zu vermeiden. Ich muss aber zugeben, dass ich hier aus der Sicht eines Boulderers schreibe. Boulderer haben wahrscheinlich mehr Abrieb der Haut als Kletterer, aber alle Infos sollten genauso hilfreich sein für Boulderer wie für Sportkletterer.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Regel Nummer 1 (die goldene Regel): Vermeide Risse an den Fingerkuppen. Die meisten Kletterer haben das wahrscheinlich schon miterleben müssen: die entsetzlichen Risse an den Fingerkuppen. Das passiert, wenn man sich kraftvoll an einem kleinen Griff hochzieht und der sich genau in deine Haut bohrt, dass er eine kleine Wunde hinterlässt. Diese braucht dann Wochen um komplett zu verheilen, wenn man sie nicht richtig behandelt. Wie auch immer, sowas passiert normalerweise nicht nach einem Zug. Da müssen schon mehrere und wiederholte Züge am gleichen Griff im Spiel sein und die Hautschichten sind wahrscheinlich schon dünn und strapaziert, das es nicht mehr viel braucht, bis sie komplett durchreißt und anfängt zu bluten. Zum Glück gibt es da ein paar Tricks, die das Risiko verringern, dass so etwas passiert. Also hier sind meine Top Ten Top Tips Fingerspitzen Tricks:

Rechts: Der Autor beim kräftigen Granit-Boulder, in Österreich, Silvretta.

  • Nimm dir Zeit - zarte/weiche, schwitzige Finger, sind viel anfälliger für Verletzungen als kühle, trockene. Mach großzügige Pausen zwischen deinen Versuchen und stell sicher, dass deine Haut in top Form ist, bevor du Druck drauf bringst. Ich würde sagen, der Fehler Nummer eins ist, dass die Leute zu sehr zwischen den Versuchen hetzten. Sei professionell und schraub dein Tempo runter!
  • Versuche deine Hände zwischen den Klettereinheiten so trocken und kühl wie möglich zu halten. Das kannst du tun, indem du sie zwischen deinen Versuchen lüftest und chalkst. Wenn du gerade einen Pausentag hast, dann wedle deine Hände in der Luft herum, puste auf deine Fingerkuppen oder wende die legendäre ‚Kauk Technik‘ an (einfach die Hände unter einem kühlen Stein platzieren), das sind alles Techniken mit hervorragender Wirkung.
  • Achte darauf, dass die Griffe im guten Zustand sind - bürste jeglichen alten Chalk ab, puste einmal drüber um das ganze gut zu vollenden und chalke eventuell den Griff mit frischem Chalk ein.
  • Klettere im Schatten - Versuche die richtige Zeit zum Klettern zu finden. Das kann eventuell heißen, dass du früh aufstehen musst oder warten musst bis die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, aber es wird sich Lohnen.
  • Verwende eine Feile (für deine Fingerkuppen und natürlich nicht den Fels) - Normalerweise lösen sich erst mehrere Schichten von Haut von den Fingerkuppen, bevor sich Risse bilden. Und in diesen Hautfetzen verfangen sich dann Kristalle und verschlimmern das ganze Problem. Deswegen solltest du diese Hautfetzen, sobald sie entstehen, vorsichtig mit einer Feile entfernen. Auch wenn du in der Apotheke komisch angeschaut wirst, aber Fußfeilen sind da perfekt für.
  • Abtapen - Wenn die Griffe besonders scharfkantig sind, ist die beste Strategie die Finger zum arbeiten an der Route zuerst mit Fingertape ab zukleben (kleiner Tipp: Strappal Dream Tape). Und sobald du die Züge raus hast, kannst du das Tape abnehmen und versuche sie Rotpunkt zu klettern - ohne Tape hast du immer einen besseren halt, also solltest du’s schaffen.
  • Klettere flüssig - Klettere wie die Franzosen und mache deine Bewegungen so geschmeidig und genau wie nur möglich. Ein Disaster ist vorprogrammiert, wenn du auf scharfkantigem Fels unkontrolliert und schwungvoll nach rasierscharfen Griffen oder fettigen, abgegriffenen Slopern greifst.   
  • Wenn du im Vorfeld schon weißt, dass du zu einem rauen oder scharfkantigem Gebiet fährst, dann versuche doch davor deine Haut bei etwas hautfreundlicherer Umgebung aufzubauen. Am besten sind Holzgriffe in der Halle und Kalkstein draußen um deiner Haut, die Chance zu geben extra Schichten aufzubauen. 
  • Wann ist der beste Zeitpunkt aufzuhören - Leider ist das genau der Teil, der am meisten Erfahrung benötigt um das raus zu bekommen. Es ist ziemlich verlockend noch einen letzten Versuch zu starten - manchmal schafft man es auch bis nach ganz oben, aber es endet nicht zu selten mit blutigen Fingern. Behalte deine Haut im Auge - wenn sie dünn wird, dann hör auf, oder tape sie wenigstens ein.
  • Sobald du aufhörst zu klettern solltest du deine Hände vom Chalk säubern und sie mit Moisturiser/Climb On oder einer Portion Magic deiner Wahl pflegen, es wird den Heilungsprozess beschleunigen und du wirst für deinen nächsten Klettertag schneller fit sein.

Flappers

Wir reden hier leider nicht von den kecken, frechen jungen Damen aus den 1920ern, sondern von der nicht so charmanten überschüssigen Haut. Wenn ich im Winter viel in der Kletterhalle bin und an großen Plastikhenkeln klettere, dann bildet sich an meinen Händen über die Zeit eine dicke Hornhaut. Es ist empfehlenswert diese abzufeilen, du willst schließlich nicht, dass sie in Einem abreißt. Da Wahrscheinlichkeit, dass sie abreißt ist hoch, wenn es kalt und windig ist und man auf rauem Fels klettert. Außerdem sind diese Hautklumpen nicht so die sensationelle Darbietung wie die Risse an den Fingerkuppen und obendrein brauchen sie auch noch eine lange, schmerzhafte Zeit zum heilen.

Heilungsprozess

Wenn du trotz der genannten Empfehlungen blutige Finger bekommst, dann kleb ein Pflaster darauf, bis es aufhört zu bluten. Sobald es dann anfängt zu heilen, kannst du die rauen kanten mit einer Feile vorsichtig abfeilen und ein Balm/Moisturiser darauf geben. Ich habe für mich herausgefunden, dass ein kleines Pflaster mit Fingertape überklebt, die Wunde davor schützt wieder und wieder aufzureißen. Das Schlimmste was du tun kannst, ist zu früh wieder mit dem Klettern anzufangen, was zu einem Teufelskreis führt: Wunde heilt, reißt auf, heilt, reißt auf,… das kann Wochen (oder Monate!) dauern, bis das Ganze heilt. Abgesehen davon, regelmäßiges klettern wird deine Haut dicker und auf natürliche Weise strapazierfähiger machen, also sei nicht zu enttäuscht, wenn deine Finger nicht von Anfang an einen ganzen Tag bouldern oder klettern aushalten. Früher oder später wird deine Haut sich anpassen. 

HAUTPFLEGEPRODUKTE


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